Interview mit Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung: „Wir müssen sicherstellen, dass digitale Bildung einen pädagogischen Mehrwert hat“

Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek beantwortet Fragen zu Demokratie, Europa und Bildung. Im Fokus steht die der Einfluss der Digitalisierung auf Schule und Lehrplan. Die Ministerin will Innovation und Fortschritt nicht allein den Unternehmen überlassen.

Anja Karliczek ist seit März 2018 Bundesministerin für Bildung und Forschung und Mitglied der Bundesregierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Zuvor war die 48-Jährige Parlamentarische Geschäftsführerin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Karliczek gehört seit 2013 dem Deutschen Bundestag an, ist verheiratet und hat drei Kinder. Sven Lilienström, Gründer der Initiative Gesichter der Demokratie, sprach mit Anja Karliczek über Demokratie, den DigitalPakt Schule und die Frage, warum wir eine Mindestvergütung von Auszubildenden in Deutschland brauchen.

Frau Karliczek, vielen Dank für die Einladung nach Berlin. Auch Sie möchten wir zu allererst fragen: Welchen Stellenwert haben Demokratie und demokratische Werte für Sie ganz persönlich?

Die Demokratie ist die beste aller Staatsformen. „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.“ Dieser Satz hat für mich auch heute, 70 Jahre nach Verkündung des Grundgesetzes, eine ungeheure Kraft. Unser Staat leitet sich von jeder Bürgerin und jedem Bürger ab, von jedem Einzelnen. Was ist das für eine großartige Aussage, was für ein großartiges Prinzip! Das ist, schaut man in die Geschichte, für mich immer noch eine enorme Errungenschaft. Wir alle müssen die Demokratie leben und sie dadurch verteidigen.

Dabei müssen wir uns im Klaren sein: Demokratie ist anstrengend. Demokratie ist für den Einzelnen nicht immer hundertprozentig befriedigend, weil der Kompromiss zwischen unterschiedlichen Meinungen ein Wesenselement der Demokratie ist. Aber Gesellschaften fahren immer auf lange Sicht am besten, wenn versucht wird, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen und niemand seine Ansicht gegen alle anderen durchsetzen kann.

Auf der „Konferenz zum Europäischen Forschungsraum“ haben Sie zu mehr europäischer Integration aufgerufen. Warum ist ein gemeinsamer Binnenraum für Forschung und Innovation so wichtig?

Europa ist eine Wertegemeinschaft. Die größte Wertegemeinschaft, die es auf dieser Welt gibt. Wir müssen diese Wertegemeinschaft immer wieder neu festigen. Dazu muss Europa erfolgreich sein. Dafür brauchen wir Forschung und Innovation. Nur damit werden wir auch die Probleme lösen. Blicken wir auf den Kampf gegen den Klimawandel. Hier müssen wir auch über Forschung und Innovation ein europäisches Modell entwickeln, das im Idealfall auch Vorbild für die Welt sein kann.

Eine weitere wichtige Frage lautet, wie wir mit der rasant fortschreitenden Entwicklung von künstlicher Intelligenz (KI) umgehen. Auch hier ist Europa gefragt. Wir müssen hier Standards im Einklang mit unseren Wertvorstellungen festlegen. Und wir müssen auch hier versuchen, andere Staaten zu überzeugen, diese Standards als die ihren anzunehmen. Deutschland allein wäre dazu nicht in der Lage. Die EU mit 500 Millionen Bürgern im Rücken schon eher. Die Nation ist unsere Heimat und Europa ist unsere Zukunft. Durch gemeinsame Forschung werden wir in der Lage sein, auch künftig auf den Weltmärkten die Nase vorn zu haben. Die Konkurrenz wird noch härter werden, allein wenn ich an China denke.

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